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Der
Ursprung des Boxers |
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Besonderer
Dank gilt: Otto Donner (+12.04.1999),
Dr.
Gerhard Ludwig und dem Gollwitzer Verlag |
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Teil
1 - Die Vorfahren
Der
Deutsche Boxer-Klub E.V. Sitz München wurde 1895 gegründet. Mit seiner
Gründung begann die planmäßige Boxerzucht.
Aber was war davor?
Wie
ist die Rasse des Boxers entstanden?
Wer waren die Vorfahren?
All dieses
ist weniger bekannt.
Der
„Ursprung des Boxers" soll einen kleinen Überblick über die
Herkunft der Rasse geben und die Anfänge auch bildlich belegen.
Als
Urahnen des Boxers gelten:
die Tibetdoggen,
die Molosser und die
Britannischen
Doggen (s. Bild 1)
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Bild
1 |
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Ihnen
gemeinsam ist neben ihrer Größe und Stärke ihr breiter Fang. Schon in
altgermanischer Zeit bis hin zum Mittelalter wurden überall starke,
breit- schnauzige Hunde gezüchtet, die von hoher Leistungsbereitschaft
sein mußten. Ihre Namen: Saupacker, Bullenbeißer und Bärenhund deuten
auf ihren Verwendungszweck hin. Bullenbeißerähnliche Hunde gab es in
ganz Europa. Spanien hatte den Alanen, Frankreich die Bordeauxdogge (die
heute noch existiert) und England einerseits den Mastiff, andererseits
die durch Kreuzung Bullenbeißer/ Windhund entstandenen, hochläufigen
Doggen. Durch die Kupferstiche des Elias Riedinger und anderer können
wir uns ein genaues Bild vom Bullenbeißer im 17. - 19. Jahrhundert
machen (s. Bilder 2-9). |
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Bild 2 |
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In
Deutschland gab es zwei Arten von Bullenbeißern, benannt nach den Landschaften,
in denen sie
besonders rein gezüchtet wurden:
1.
Der große oder Danziger Bullenbeißer
(Bild 10)
2.
Der kleine oder Brabanter Bullenbeißer
(Bild 11). |
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| Bild
10 |
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Bild
11 |
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Recht anschaulich und ausführlich
werden die Bären- und Bullenbeißer und ihr Gebrauch von H. F. von
Fleming in dem Werk:
„Der
vollkommene Teutsche Jäger und Fischer"
(Leipzig 1719-24) beschrieben:
„Von
dieser vorgemeldeten großen Art Englischer Hunde gibt es
in andern Ländern eine besondere Gattung von mittelmäßiger, doch
etwas starker Größe, von breiter Brust, mit kurzem und dickem
Kopf, kurz aufgeworfener Nase, steifstehenden spitzigen
verschnittenen Ohren, doppeltem Gebiß an Keinbacken, weswegen sie sich
sehr verfangen können, von breiter Stirn
zwischen den Augen. Welche Hunde zwar dicke, stark und unbehende
zu laufen, im fangen aber ungemein hitzig und grimmig anfallen, daß sie
auch davon zittern und schwer abzubringen sind, wie dergleichen man in
Dantzig bei den Fleischern in
ihrem Spicker von unterschiedlicher Sorte antreffen und haben
kann. ... Noch eine andere Art, so mittelmäßiger, doch etwas
niedriger, aber fast an allen Gliedern den vorigen ähnlich,hat man in
Brabant, die sie Bullbeißer nennen, dieselben haben fast
gleiche Beschaffenheit mit vorerwähnten, nur daß sie, wie gemeldet,
kleiner sind. Sonst pflegt man in Ermangelung vorerwähnter Arten
dergleichen selbst zu ziehen, welche insgeheim in
der Jugend sowohl an Ohren, als am Schwanz gestutzt und an Halsbändern
geführten, anfänglich an mäßige Sauen gesetzt werden,
bis sie das Schwarzwild gewohnen. Endlich lässet man sie
an kleine Bären und weiset sie an, wie vorhergemeldet, daß sie
an Ohren anfassen, will gleich solches sofort nicht angehen, muß
man dieselben, weil sie sich fest einbeißen und verfangen, geschwind
mit einem Knebel oder besser einer starken rauhen Gänsefeder oder Rütchen
in die Kehle oder Gurgel kitzeln, als dann lassen sie selbst los und
kann man sie hernach zu rechte weisen,
so fassen sie ein andermal nach Verlangen besser an, wobei
man ihnen freundlich zuspricht, damit sie umso eifriger angereitzet,
den Bär hin und her zu zwacken, ängstigen und plagen, daß er sich von
einem Winkel bei dem Kampfjagen retiriret, bis die Hunde müde und die
Herrschaft überdrüßig wird.
Wo die Bären selten, pflegen manche Herrschaften damit Stiere,
Ochsen oder Bullen zu hetzen, welches aber eine Übung, so
mehr den Fleischern, als Jägern anständig, und mir unbekannt ist,
als der ich nur von wilden Tieren zu schreiben willens bin, doch habe ich
in Brabant gesehen, daß der Stier an einem langen Seil angebunden und
von solchen Hunden gehetzt worden, welche meistens an der Nase oder an
die Gurgel anfallen und weil sie,
wie vorgemeldet ein stark Gebiß haben, sich sehr verfangen, eine
gute Weile unbeweglich hängen bleiben, bis sie müde von sich
selbst ablassen. Sonsten
sind diese Hunde, da sie von böser Art, stark von Leibe und einen
groben Laut haben, am nützlichsten zu guten Hof- und Kettenhunden
zu gebrauchen, indem dieselben sehr wachsam und alles grimmig anfallen,
was sie vermerken, ob sie schon kleiner
als die englischen Hunde und deren Zwerge sind."
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Der
Brabanter Bullenbeißer gilt als unmittelbarer Vorfahr unseres Boxers.
Nach der Zeit der Französischen Revolution, als die großen Höfe
aufgelöst wurden und die Zeit der herrschaftlichen Jagden vorbei
war, nahm die Bedeutung der Hetzhunde
ab (Bilder 12-20).
Der
Danziger Bullenbeißer z.B. wird schon ab 1783 nicht mehr in Hundebüchern
erwähnt. Der kleine Bullenbeißer aber wurde in kleinen Beständen
als Haushund weiter gezüchtet.
Allerdings
wurden Bullenbeißer-Hündinnen
nicht nur von artgleichen Rüden gedeckt, sondern
auch mit der 1830 nach Deutschland gekommenen englischen Bulldogge
gekreuzt. Diese brachte uns einerseits den heute erwünschten Boxertyp,
anderseits aber auch als - unerwünschtes Erbe dieser Verpaarungen - die
Weißen und Hasenscharten.
Um
1860 wird erstmals für diese Kreuzungen der Name Boxer verwandt.
Die Statur des damaligen „Boxers" ließ sich am ehesten mit
der des Bostonterriers vergleichen.
Diese
beiden Rassen waren sich zur damaligen Zeit in Größe, Farbe und
Gestalt sehr ähnlich (Bild 21). |
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21 a |
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1894
zog der gebürtige Wiener Friedrich Roberth - ein damals schon
bekannter Kynologe - von Norddeutschland nach München. Roberth,
der längere Zeit in der deutschen Kolonialarmee in Afrika diente,
befasste sich seinerzeit mit der Zucht und Ausbildung von Kriegs-
und Meldehunden. Ihm schlossen sich Elard
König und Rudolf Hoepner an. Mit Erfolg züchteten und bildeten sie
Airedaleterrier aus. Sehr schnell
genügten Roberth diese Erfolge nicht mehr; er war auf der Suche
nach einem Hund, der die geforderten Eigenschaften besser erfüllen
sollte und stieß so auf die Bulldog- und Boxerbastarde, die oft
spöttisch als „Bierboxer" tituliert wurden.
Seine Vision war es, zusammen mit Hoepner und König eine Hunderasse zu
festigen, die gute Gebrauchshundeigenschaften für den Kriegseinsatz
mitbrachte. Der regen Werbetätigkeit von F. Roberth war es zu
verdanken, daß 1895 in einer Ausstellung des St.
Bernhard-Klubs eine Versuchsklasse für Boxer eingerichtet wurde.
Einziger gemeldeter Hund war:
Mühlbauers Flocki (Bild 21 a), ein Sohn von
Bulldog „Dr. Toenniessens
Tom" und einer Boxerhündin „Alts Scheckin". Dieser
Toennissens Tom scheint sich im Münchner Raum so eifrig vermehrt
zu haben, dass Hoepner im ersten Boxer-Stammbuch schreibt:
"Dieser Tom, hätte es ihn nie gegeben, oder hätte ihn sein
Züchter, sollte er nun partout am Leben bleiben, nur nach dem
Nordpol verkauft, aber nicht nach München."
So
wurde nun alles getan, um das Bulldog-Erbe zu beseitigen. Dies
dokumentiert am besten der 1902 erstellte "erste Standard"
in dem das Fang-Oberkopfverhältnis 1:1
sein sollte und ein Scherengebiss
verlangt wurde. Einige
Zuchtergebnisse der damaligen Zeit sind:
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Meta
Augusta (Bild 22) reine Inzestzucht auf Alts Flora (was
nicht weiter verwunderlich ist, haben doch alle Hunde bis zur
Nr. 20 im ersten Zuchtbuch diese Hündin als Ahnin). |
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Piccolo
v. Angertor (Bild 23) Bruder von Meta Augusta und Vater
von Meta von der Passage |
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Bild 22 |
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Bild
23 |
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Flora
v.d. Aar, Tochter von Flock St.Salvator,
Flora
II,
Flora
Ohlmüller, alle Inzestzucht auf Lechners Box (Bild 24). |
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Medor
St. Benno (Bild 25), Typ des kleinen, unerwünschten Boxers.
Inzucht auf Lechners Box und Dr. Toennissens Tom. |
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Bild 24 |
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Bild
25 |
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Frazek Schlossfee v. Graudenz
(Bild 26) |
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Marko
v. Stieringen (Bild 27) vierfache
Inzestzucht
auf Alts Flora |
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Bild 26 |
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Bild
27 |
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| Im
Jahre 1896, ein Jahr nach dem zum ersten Mal ein Boxer offiziell auf
einer Ausstellung gezeigt und gerichtet wurde, veranstaltete der zwischenzeitlich
gegründete Boxer-Klub ohne große Werbemöglich- keiten im Hof eines
Klubmitgliedes die erste eigene Ausstellung. Wider
Erwarten wurden außer zahlen- den Zuschauern auch viele Boxerbesitzer
und deren Hunde angezogen. Nach den Worten des damaligen Vorsitzenden
Rudolf Hoepner ließen die Hunde
jede Einheitlichkeit in den Zuchtzielen vermissen, aber
boten doch ein sehr hoffnungsreiches Bild für die Zukunft. Wie schwer
es aber war, einen einheit- lichen Standard aufzustellen, ohne den
keine Tier- zucht möglich ist, zeigt die Ausstellung München 1896,
bei der 50 Boxer in drei Gewichtsklassen
akzeptiert wurden (Bild 29). Auf
dieser Ausstellung kristallisierten sich vier Hunde heraus, die
als Stammeltern unserer heutigen Boxer gelten: |
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Bella
v. Stieringen (Bild 28)
Schwester
zu Marko |
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Bild
28 |
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Flock
St. Salvator (ZB-Nr. 14), Wotan 1 (ZB-Nr.
46), Mirzl (ZB-Nr. 44) und Meta
von der Passage (ZB-Nr. 30), (Bild 30) eine Scheckhündin, V.
Piccolo v. Angertor (ZB-Nr. 17) - M.
Blanka v. Angertor (ZB-Nr. 4) (Bild 31) |
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Bild
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Bild
29 |
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Bild
30 |
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Von
Flock, Mirzl und Wotan gibt es leider keine Bilder. Der
gelbe Flock war hochgestellt mit einem beindruckendem Gebäude,
hatte aber Mängel in der Kopfform. Der gestromte Wotan dagegen
hatte ein schweres Gebäude, dafür aber den typischen Kopf. |
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